Die Malakozoologie (Weichtierforschung) ist eine Wissenschaft, die seit altersher einen wichtigen Teil ihres Wissens der Arbeit von Hobbysammlern aus aller Welt verdankt. Die Freizeitbeschäftigung des Molluskensammelns ist weit verbreitet. War es noch im vorigen Jahrhundert eine elitäre Leidenschaft der Oberschicht, so erfreuen sich in diesen Tagen mehr und mehr Menschen an der Schönheit und Faszination der Conchylien.

Das starke Interesse an den exotischen Schönheiten und die zunehmende Kommerzialisierung dieser Geschöpfe der Natur hat allerdings dazu geführt, daß sich weltweit Schäden an Lebensraum und Bestand vieler Arten beobachten lassen. Das Zurückgehen von Artbeständen, sowie die Zerstörung von Lebensräumen ist nicht allein auf die Aktivität von ein paar Hobbysammlern oder Wissenschaftlern zurückzuführen. Fischerei, Industrie und etliche andere, unter anderem auch ganz natürliche Faktoren sind als Ursachen anzuführen. Trotzdem leistet jeder Sammler einen Beitrag zur Störung des natürlichen Gleichgewichtes, wenn er unkontrolliert Lebewesen aus ihrem Lebensraum entfernt und für seine Sammlung tötet oder dies durch Kauf von Schalen unterstützt. Andererseits kann ein Sammler bei richtigem Verhalten auch wertvolle Daten liefern, ohne die sinnvolle Schutzmaßnahmen nicht durchgeführt werden können. Ferner kann er sein Wissen an andere weitergeben und das Bewußtsein für naturverträgliches Verhalten schärfen.

War es vor einigen Jahrzehnten noch ein Ansporn für Sammler, seltene Muschel- und Schneckenarten in aller Welt aufzuspüren und der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, so sollte heute Einsatz zum Erhalt der natürlichen Lebensräume und das Aufdecken von jeder Art des Mißbrauchs an der Natur zur Aufgabe des Molluskensammlers werden.

Ein Sammler ist verpflichtet, Lebensräume zu erhalten und sich für ihren Erhalt einzusetzen.

So sollten bei der Suche nach Mollusken keine Steine aus ihrer Position gerückt, keine Korallen zerbrochen und keine Sandflächen umgepflügt werden. Das Umdrehen von Steinen oder Holz im Wasser oder an Land sollte vorsichtig geschehen, beim Zurücklegen muß darauf geachtet werden, daß Stein oder Holz wieder exakt an die ursprüngliche Position kommen und keine darunter befindlichen Lebewesen eingeklemmt werden. Festgewachsene Steine oder Korallenstücke, die sich nicht ohne weiteres umdrehen lassen, sollten nicht losgebrochen werden. Ebenso sollten keine Korallen, lebend oder tot, umgewälzt oder zerbrochen werden. Viele Molluskenarten, die sich tagsüber verstecken, kommen nachts heraus und können dann problemlos beobachtet oder gesammelt werden. Das gezielte Sammeln von Mollusken mit Hilfe einer Dredsche, die mit einem Boot oder von Hand über den Bodenbewuchs gezogen wird, ist problematisch, der Schaden ist oft irreparabel und die Ausbeute vergleichsweise gering. Die meisten auf diesem Wege gewonnenen Arten fallen ohnehin in großem Umfang in der kommerziellen Fischerei als Beifang an. Das Auslegen von beköderten Netzen scheint hingegen eine gute Alternative zum Dredschen nach Mollusken zu sein, da der Eingriff in den Lebensraum vergleichsweise gering ist.

Ein Sammler, der Mollusken für seine Sammlung kauft, sollte sich informieren, auf welchem Wege die Schalen gesammelt wurden und sich vor Augen führen, daß jeder Kauf die Suche nach weiteren Exemplaren fördert.

Kein Sammler sollte durch seine Tätigkeit eine Tier- oder Pflanzenart in ihrem Bestand dezimieren und dadurch gefährden.

Daß sich jeder Sammler beschränken muß, um eine Art nicht auszurotten, ist selbstverständlich. Ob das nun bedeutet, daß nur ein einziges Exemplar oder einige Dutzend Exemplare gesammelt werden dürfen, ist von Fall zu Fall verschieden. Es sollten bei häufigeren Arten nicht mehr als ein Zehntel der aufgefundenen Exemplare mitgenommen werden. Es sollte vom Sammeln lebender Mollusken weitgehend abgesehen werden. Meistens finden sich im Gebiet lebender Populationen auch etliche gut erhaltene leere Schalen. Dies gilt auch für Landschnecken. Bei der Suche nach Mollusken sollten auch keine anderen Lebewesen (Pflanzen oder festsitzende Tiere im Biotop, Nahrungsorganismen der Mollusken, Wirtstiere von parasitären Schnecken, z.B. Wirtskorallen) beschädigt oder getötet werden.

Ferner sollten naturbewußte Sammler jede Art von Mißbrauch boykottieren. Insbesondere das Sammeln von Muscheln, Schnecken oder gar Korallen für Dekorationszwecke und für die Schmuckindustrie ist abzulehnen, solange keine Kontrolle über Sammelmethoden und -mengen möglich ist.

Kein Sammler soll rechtliche Unwissenheit vortäuschen.

Die Pflicht jedes Bürgers, erst recht des Naturfreundes, ist es, die Naturschutzgesetze zu beachten. Jeder Sammler muß dafür sorgen, daß er immer aktuell über das seine Sammlungsstücke betreffende geltende Recht informiert ist.

Tiere oder Pflanzen sind in der Bundesrepublik oder in anderen Staaten nicht ohne Grund geschützt, sie sind in ihren Beständen gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Sammler, die Naturschutzgesetze und geschützte Arten nicht kennen, handeln gegenüber der Natur, also der Umwelt der Pflanzen, Tiere und Menschen fahrlässig und verantwortungslos.

Geschützte Arten sollen nicht gesammelt oder erworben werden, Verstöße gegen Artenschutzrecht sind kein Kavaliersdelikt, Sammler sollen ggf. ihnen bekanntwerdende Verstöße melden.

Eine Sammlung muß der Wissenschaft dienen können.

Alle Tiere oder Pflanzen in Sammlungen, auch in Privatsammlungen, müssen so aufbewahrt werden, daß sie im Zweifelsfall für die Wissenschaft nutzbar sind. Ein Exemplar ohne Funddaten hat praktisch keinen wissenschaftlichen Wert. In der heutigen Epoche der Naturzerstörung und des Artenrückganges ist die Entnahme von Lebewesen aus der Natur ohne die Bewahrung zur dauerhaften "Nutzung" für Zwecke der Forschung, Lehre oder Dokumentation nicht mehr zeitgemäß.

Eine Sammlung von Mollusken aufzubauen, bedeutet also selbstverständlich die Pflege der Schalen, evtl. das Konservieren von Tieren (z.B. bei seltenen oder unbekannten Arten) und vor allem das sorgfältige Festhalten der Funddaten. Zusätzliche Daten, die den Rückgang von Arten oder Veränderung von Lebensräumen dokumentieren, können eine wertvolle Ergänzung der Sammlung sein. All dies hat natürlich nur einen Sinn, wenn ein Sammler seine Sammlung der Wissenschaft zugänglich macht, seltene Funde bekanntgibt und seine Sammlung einem Museum oder einem engagierten Nachfolger vermacht.

Anschriften der Verfasser:
Dr. Felix Lorenz, Friedrich-Ebert-Str. 12, 35418 Buseck-Beuern, www.cowries.info
Dr. Vollrath Wiese, Haus der Natur - Cismar, Bäderstr. 26, 23743 Grömitz-Cismar

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